Besuch von Bukarest – zwischen Glanz und Leere
Besuch von Bukarest – eine Stadt zwischen Glanz und Leere
Eigentlich sollte Rumänien ein Sommerziel werden. Irgendwann. Weit, warm, grün. Doch Pläne verschieben sich, Leben funkt dazwischen, Matute kämpfte kurz vor dem Sommer 2024 mit einer Erlichiose und meine Bekannte, die wir eigentlich besuchen wollten, sprach von 35 Grad aufwärts in Rumänien, so dass ich mich dann dazu entschied, den Sommer in Skandinavien zu verbringen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der Besuch von Bukarest musste warten. Dracula musste warten.
Und so stehe ich nun im Dezember in Bukarest. Winter statt Hitze, grauer Himmel statt flirrender Straßen. Vielleicht passt das sogar besser zu dieser Stadt…
Bukarest macht es einem nicht leicht. Es ist keine Stadt, die dich mit offenen Armen empfängt. Sie zeigt dir zuerst ihre Widersprüche. Herausgeputzte Cafés mit Designermöbeln und sorgfältig arrangierten Pflanzen – und gleich daneben Fassaden, die aussehen, als hätte man sie vor Jahrzehnten vergessen. Fenster, hinter denen nichts mehr ist. Leere Räume, verlassene Läden, Staub statt Leben. Dazwischen Menschen, die auf der Straße schlafen, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.



Alles existiert nebeneinander. Moderne Restaurants, in denen du selbstverständlich mit Kreditkarte bezahlst, und wenige Meter weiter Häuser, deren bröckelnde Wände noch immer vom Kommunismus erzählen. Diese Fassaden tragen Geschichte, aber sie tragen sie schwer. Bukarest wirkt an manchen Stellen geschniegelt, fast bemüht – und an anderen roh, kaputt unverblümt ehrlich.



Ich laufe durch die Stadt und werde nicht richtig warm mit ihr. Dabei gibt es schöne Orte. Die Altstadt und die Calea Victoriei, die Siegesstraße, zum Beispiel. Besonders am Abend. Lichter, Menschen, Stimmen, Bewegung. Er fühlt sich lebendig an, fast mediterran. Vielleicht ein bisschen zu lebendig. Zu viele Menschen, zu viel Geräusch, zu wenig Raum für Stille. Und doch lande ich immer wieder hier, als wäre es ein Ankerpunkt in dieser widersprüchlichen Stadt.



Tagsüber treiben mich Museen durch Bukarest, Zuflucht vor der Kälte, vor den über 30 Grad, die es hier im Sommer geben kann, und vor der Anstrengung, diese Stadt einzuordnen. Die Kontraste ermüden. Bukarest verlangt Aufmerksamkeit. Es ist keine Kulisse, es ist eine Zumutung – im positiven wie im negativen Sinne.
Was mir auffällt: Selbst die Weihnachtsbeleuchtung wirkt hier anders. Sie ist da, aber sie wärmt nicht. Sie scheint eher Pflicht als Gefühl zu sein. Vielleicht passt auch das. Bukarest schmückt sich, ohne sich zu verstecken.


Nach zwei Tagen in der Stadt sehne ich mich nach Abstand. Und genau den bekomme ich am nächsten Morgen. Früh. Sehr früh. Der Tagesausflug nach Transsilvanien fühlt sich an wie eine Flucht. Raus aus der Stadt, raus aus dem Beton, hinein in Landschaft, Geschichte, Kälte.




Schloss Peleș liegt da wie aus einer anderen Welt gefallen. Verspielt, fast märchenhaft, eingebettet in die winterliche Umgebung. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Brasov geht es weiter nach Bran. Das Dracula-Schloss. Mystik, Mythen, Geschichten, die sich über Jahrhunderte gelegt haben wie ein Schleier. Natürlich ist vieles Inszenierung. Natürlich lebt Bran vom Mythos. Aber genau das macht seinen Zauber aus. Es darf dunkel sein, geheimnisvoll, ein bisschen überzeichnet. Für ein paar Stunden fühlt sich alles leichter an. Klarer. Geordneter.
Hier draußen ist Rumänien plötzlich still. Die Kälte ist ehrlich, die Landschaft offen. Kein Glanz, keine Leere – sondern einfach Raum.




Am Abend kehre ich zurück nach Bukarest. Noch ein Tag bleibt mir. Die Stadt empfängt mich genauso, wie sie mich zuvor begleitet hat: widersprüchlich, kantig, unentschlossen. Ich sitze nach einem Besuch im Fitnessstudio in einem kleinen Café, nur wenige Gehminuten vom Airbnb entfernt, schreibe, beobachte, höre zu. Bukarest wird mir nicht vertraut, aber es wird greifbarer.
Vielleicht ist das genug.



Bukarest ist keine Stadt, die dich verführt. Sie ist eine Stadt, die dich konfrontiert. Mit Geschichte, mit Gegensätzen, mit unbequemen Bildern. Und vielleicht liegt genau darin ihre Wahrheit. Nicht schön im klassischen Sinn. Aber echt. Und manchmal reicht auch das…



Wissenswertes für deinen Besuch von Bukarest
Bukarest hat eine gut ausgebaute Infrastruktur – Busse und die Metro verkehren regelmäßig im Stadtkern. Auch der Flughafen ist mit der Buslinie 100 gut erreichbar. Zudem gibt es zuverlässig Bolt und Uber. Mit Bolt kommst du problemlos für umgerechnet ca 17 Euro vom Flughafen innerhalb von 30 bis 40 Minuten in das Zentrum der Stadt.
Unterkünfte gibt es in Bukarest wie Sand am Meer und in allen Preiskategorien. Vom teuren Hotel, über Airbnbs und Hostels wirst du problemlos auf den einschlägigen Portalen fündig.
Überall gibt es zudem Restaurants, Cafés oder Kioske und zudem unterschiedliche Supermärkte. Viele dieser Märkte kennst du sicher aus Deutschland, denn auch Lidl, Kaufland, Fressnapf und Tedi sind hier vertreten. Aber auch Carrefour gibt es und – die durchaus etwas günstigere Kette – Mega Image.
Nirgendwo in Bukarest oder auch außerhalb der Stadt ist es mir passiert, dass ich nicht mit Karte bezahlen konnte. Insofern war das Wechseln von Euro in Lei überhaupt nicht notwendig.
Meinen Tagesausflug zu den Schlössern hatte ich ursprünglich überlegt, mit einem Leihwagen zu machen. Nachdem ich jedoch gesehen hatte, dass ich für die Strecke Bukarest-Peles oder Bukarest-Bran über 3 Stunden Fahrzeit hätte einplanen müssen und mir mein Airbnb-Host sagte, dass die Parkplätze in der Stadt stündlich abgerechnet wurden, entschied ich mich für eine geführte Tour zu den Schlossern. Als mir vor Ort dann die furchtbare Parkplatzsituation in Bukarest bewusst wurde, war ich dankbar für meine getroffene Entscheidung.
Die Tour zu den Schlössern übrigens habe ich über getyourguide gebucht. Wenngleich bei den 22 Euro „nur“ die Busfahrt und der Guide enthalten waren, war das dennoch die bessere Entscheidung, denn die Tour dauerte insgesamt 13 Stunden. Das hätte ich mit Leihwagen gar nicht alleine geschafft.


