Ajloun und Umm Qais – mein Hyundai ist ein Jeep!

Oder: Wie man sich am letzten Reisetag (unfreiwillig) komplett zerstört – Part 2

Mein Weg von Jerash führte mich weiter Richtung Ajloun. Von dort aus sollte es auf mehr oder weniger direktem Weg über den Jordan Valley Highway nach Umm Qais gehen. Mehr oder weniger direkt.

Ajloun

Qala’at ar-Rabad

Schon von weitem kann man auf dem Weg nach Ajloun die riesige Festung über der Stadt Ajloun erkennen. Trotz ihrer nahezu perfekten Lage wurde sie im 13. Jahrhundert von den Mongolen gestürmt und geplündert. Interessant auch: Die Mamelucken verbanden die Festung mit anderen Festungen, Burgen und Posten, so dass es innerhalb von zwölf Stünden möglich war, Lichtzeichen von Kairo bis Damaskus zu senden – WhatsApp1.0!

Die Landschaft Ajlouns

Die Festung war aber nicht der eigentliche Grund, weswegen ich nach Ajloun gekommen war. Vielmehr ist es in diesem nördlichen Teil Jordaniens so, dass nur hier mit größeren Niederschlagsmengen (verglichen mit denen im restlichen Land) zu rechnen ist. Aus diesem Grund ist es im Frühling dort besonders schön, durch die Hügel Ajlouns zu laufen: Wiesenblumen, Olivenbäumchen, Mandelbäume…

Die paar Blümchen mögen für Europäer nichts Besonderes sein, aber vergiss‘ bitte nicht, dass ich hier eigentlich mitten in einer Wüste bin. 🙂

Irgendwo zwischen Ajloun und Umm Qais

Noch einmal circa eine Stunde Fahrt (60 Kilometer) von Ajloun entfernt liegt Umm Qais. Wenn man schon einmal im Norden Jordaniens ist, kann man diese Strecke noch mitnehmen. Sie lohnt durchaus. Wenn man die richtige Straße erwischt.

Irgendwo am Ajloun Castle bin ich Richtung des „Tourist Trail“ abgebogen. Was zunächst noch aussah wie eine kleine, einspurige Landstraße änderte sich jedoch binnen weniger Kilometer.

Reminder an mich selbst: 1. „Tourist Trail“ ist nicht gleichzusetzen mit „Fahr‘ da mit dem Auto durch“. 2. Das kleine Männchen mit Stock auf dem Tourist Trail-Schild steht für Wanderer – es wird also keine kleine, einspurige Landstraße bleiben. 3. Ein Hyundai ist kein Jeep.

Ergo: Die kleine, einspurige Landstraße war irgendwann eine kleine, einspurige Schotterpiste, bei der es hoch und runter und abseits der Fahrbahn noch viel weiter runter ging. Da ich nach jedem geschafften Hügel die Hoffnung hatte, dass die Straße wieder normal werden würde, fuhr ich weiter. Umkehren ist nicht. Weder war Wenden drin bei dem Abhang noch wollte ich die zurückgelegte Strecke noch einmal fahren müssen. Tapfer schaffte sich der Hyundai durch die Unebenheiten. Ganz ohne war es nicht. Adrenalin pur floss durch meine Adern. Mehrmals prüfte ich mein Handy: Empfang da, Empfang weg, Empfang immer noch weg, Empfang IMMER noch weg, Empfang wieder da (immerhin ein kleines „E“ und ein winziger Balken). Ich blieb stehen, schickte meiner Mum eine Nachricht, um meinen Standort durchzugeben. Wer weiß, was heute noch passieren würde. Seit einer halben Stunde hatte ich weder ein Auto, noch einen Menschen oder auch nur ein Tier gesehen – der Reiher, der einmal kurz vor mir herlief, zählt nicht. Mantra-artig murmelte ich vor mich hin: Mein Auto ist ein Jeep, mein Auto ist ein Jeep. Und mit angezogener Handbremse und durchgetretener Bremse ging es im Schneckentempo den nächsten Hügel hinunter – Gripp hatten die Reifen  nahezu keinen. Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass die Hälfte der Strecke geschafft war. Und dann…

Wenden in drei Zügen – wenigstens gab es hier gerade mal keinen Abhang. Und zurück. Mein Auto ist ein Jeep, mein Auto ist ein Jeep. Ich wusste nicht, wie ich die Strecke, die ich gerade überwiegend hochfahren musste, bei dem wenigen Gripp, den die Reifen hatten, unbeschadet herunter schaffen sollte. Ich blickte auf die Uhr, überschlug die Zeit. Es war Mittag. Falls jetzt etwas passieren würde, wäre es theoretisch immer noch möglich, meinen Flug mitten in der Nacht zu schaffen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten: geplatzter Reifen mitten im Nirgendwo. Kurz dachte ich an Abrutschen beim Herunterfahren der Hügel, die ich vor mir hatte. Nein. Mein Auto ist ein Jeep, mein Auto ist ein Jeep. Und im Schneckentempo ging es den Weg zurück, den ich hergekommen war.
Ziemlich durch und nassgeschwitzt kam ich wieder in Ajloun an. Meine Hände taten weh – vom Verkrampfen im Lenkrad (ich fuhr ja einhändig, weil die andere Hand die Handbremse gezogen hielt). Pinkelpause, Kaffee, Kippe. Hunger hatte ich keinen mehr. Schließlich fand ich meinen Weg auf den Jordan Valley Highway. Ich freute mich auf eine Autobahn. „Highway“ – das heißt doch Autobahn. Und alle bisher gefahrenen „Highways“ hier waren ja auch zweispurig. Das bekam ich:

ernsthaft?!

Vierzig Minuten später kam ich in Umm Qais an. Das Hungergefühl war wieder da. Ich steuerte das nächste Restaurant an. Die beste Shawerma ever. Pappsatt für 2,5 JOD. 😉

Umm Qais

Von der Anhöhe, auf welcher sich die Ruinen von Umm Qais befinden, hat man eine wunderbare Aussicht auf Syrien und die Golanhöhen, das Jordantal und den See Genezareth in Israel.

Im Resthouse von Umm Qais kann man vor der Rückfahrt nach Amman eine kleine Pause einlegen und den Blick über die Landschaft genießen. Nicht ganz günstig dort, aber der Blick herunter ist sagenhaft. Wenn du etwas weniger dekadent und mit etwas weniger Spießigkeit, dafür aber günstig und mit ein klein wenig mehr Leben haben möchtest, empfehle ich dir, deinen Kaffee auf dem Vorplatz von Umm Qais einzunehmen.

Denselben Blick wie vom Umm Qais Resthouse herunter erhältst du auch, wenn du an das Ende von Umm Qais läufst. Der Eintritt zur Ruine ist übrigens ebenfalls im Jordan Pass erhalten.

Rückfahrt nach Amman

Bis Amman waren es circa 70 Kilometer, für die das Navi zwei Stunden ansetzte. Highway 35 ist tatsächlich näher an einer Autobahn dran als der Jordan Valley Highway – allerdings sehr baustellenlastig. Da ich aber davon ausging, dass nun nichts mehr geschehen könne, sah ich das gelassen und erledigte auf meinem Rückweg alle notwendigen Einkäufe, die sich noch auf meiner to do-Liste befanden.

heutige Strecke

Hier geht es zurück zu meinem Vormittag, den ich in Jerash verbracht habe.

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