Canyoning Wadi Mujib – auf dem Hintern runter ist auch ein Weg

„Unter Canyoning versteht man das Begehen einer Schlucht von oben nach unten (in der Frühzeit des sportlichen Canyonings auch von unten nach oben) in den unterschiedlichsten Varianten.“ (Quelle: Wikipedia)

Weder hatte ich das vor, noch wusste ich, dass dies geschehen würde…

Nach meinem Grenzübergang von Israel nach Jordanien war ich ganz dankbar, dass mehr oder weniger auf meinem Weg nach Amman (30 Kilometer Umweg, aber was sind schon 30 Kilometer gemessen an den letzten Tagen?!) ein bisschen Abschalten in der Natur möglich war. ABSCHALTEN IN DER NATUR!

expectations

Im Wadi Mujib Reserve angekommen, zog ich mich kurz um – raus aus den Jeans, rein in die Elefantenhose, den Bikini trug ich bereits -, bezahlte mein Eintrittsgeld (21 JOD für die self-guided tour von circa zwei Stunden) und erhielt eine Schwimmweste. Etwas ungläubig schaute ich den netten Herren an, der mir diese übergeben hatte und dachte nur bei mir: Jetzt übertreiben die aber echt ein bisschen mit ihrer Fürsorge. Als Nächstes erhielt ich eine Drybag für meine wenigen Habseligkeiten, die ich mitnehmen wollte und den Hinweis, dass ich die Drybag an der Schwimmweste festmachen könnte. Erneut ein ungläubiger Blick meinerseits – die Drybag ließ sich doch tragen wie eine Handtasche, warum festmachen?!

Jetzt, Stunden später, muss ich herzhaft darüber lachen, dass ich den Typen zu allem Überfluss auch noch gefragt hatte, ob ich auch mit FlipFlops da rein könnte (ich meine, hallo, da ist nass), woraufhin er entgegnete: No way, my dear, (und indem er auf meine Trekkingschuhe zeigte, weiter sprach) wear those shoes – you will need them.

Nach einer Brücke und einem wundervollen Blick in den Canyon hinein stand das erste kleine Hindernis an: eine Treppe, die direkt im Wasser endete. Okay, dachte ich, mission loading… Womit ich nicht gerechnet hatte: ich stand direkt oberschenkeltief im Wasser. Akzeptanz ist der Schlüssel zum heutigen Tag.

Schließlich ging es weiter – durch das Wasser! Der nächste Lacher folgte direkt. Nein, nicht wegen des kleinen Flüsschens oder des Wassers, durch das ich hindurch laufen musste, sondern das seichte, warme, knietiefe Wasser (ist ja eigentlich ganz chillig, wenn man die Nässe in den Schuhen mal akzeptiert hat) in Kombination mit dem Hinweis am Felsen, auf keinen Fall die Seile los zu lassen. Mein Gedanke: Wer braucht hier bitte ein Seil? Und, wo ist dieses Seil überhaupt? Ich konnte nämlich keines sehen.

proudly presenting: meine drybag
Stick to the rope at all time

Spoiler Alert: Wie zentral dieses Hinweisschild werden würde und dass ich noch dankbar dafür sein würde, eine Drybag zu besitzen, die ich übrigens tatsächlich relativ schnell an meiner Schwimmweste festgemacht hatte und vor allem wie dankbar ich über den Besitz dieser Schwimmweste sein würde, stellte sich keine zehn Minuten später heraus.

Relativ harmlos ging es weiter… ein bisschen Wasser hier, ein bisschen Wasser da, ein paar Felsen vor mir, ein paar Felsen unter mir und rechts und links sowieso.

 

Die krassen Bilder und wie heftig es zwischendurch tatsächlich war, lässt sich auf diesen Bildern nur schwer erahnen. Und dies aus zwei Gründen: sowohl meine Brille (das Wasser klatschte einem so heftig entgegen, dass ich befürchtete, ich könnte sie verlieren) als auch mein Handy befanden sich zu weiten Teilen durchgängig in meiner Drybag, weil ich nicht nur beide Hände und die Unterstützung anderer Touris brauchte, um an den Seilen (Plural!!!) die Felsen hochzukommen, sondern weil ich den Großteil der Strecke brusttief im Wasser stand und gegen die heftige Strömung ankämpfen musste.

 

 

Zurück ging es dann vergleichsweise schnell, denn relativ problemlos konnte man auf den Felsen herunterrutschen oder sich Dank Schwimmweste ins Wasser legen und von der Strömung treiben lassen. „Relativ“ deswegen, weil absaufen bei beidem natürlich vorprogrammiert war. Aber akzeptiert hatte ich mein Schicksal ja sowieso schon und die Schuhe und Socken spürte ich seit langem nicht mehr, weil ich einfach komplett nass war.

made it to the waterfall

Nach knapp zwei Stunden erreichte ich wieder das Empfangsgebäude – dieses Mal klatschnass. Schnell abtrocknen, umziehen und Futter fassen – ich hatte mega Hunger.

und erstmal Essen fassen im nächsten Restaurant! 🙂

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