On the road again – St. Andrews und ein bisschen Dundee

Zunächst einmal: Der Schock war groß, als ich heute Mittag mein angemietetes Auto in Empfang nahm. Kein Automatik-Fahrzeug! Und ja, natürlich wollte ich auch direkt beim ersten Einsteigen schon auf der falschen Seite einsteigen. Da saß ich nun auf der rechten Seite des Fahrzeugs, blickte ungläubig auf die Schaltung und dachte nur bei mir: na, das kann ja heiter werden. Zumal das Auto für meinen ganz persönlichen Geschmack sowieso etwas zu groß geraten war. Nachdem ich also mein Kabel-Gefuddel sortiert, noch einmal einen Blick auf Google Maps geworfen hatte (M90 – irgendwie muss ich auf die M90), startete ich den Motor, legte den ersten Gang ein, fuhr ein paar Meter, schaltete vorsichtig in den zweiten Gang, völlig darauf fixiert, nach Möglichkeit auch noch bitte auf der linken Straßenseite zu bleiben. Aber die Götter kannten keine Gnade. Zig Kreisel trennten die Ausfahrt des Flughafens von der Auffahrt auf die M90. Kreisel! Zweispurige Kreisel! Als ich gefühlte zwanzig Kreisel später schließlich davon ausgehen konnte, dass ich nun das Kreiselfahren in Perfektion beherrsche, mich endlich auf der M90 befand, noch völlig naiv bei mir dachte: „St. Andrews – here we go!“, war erst einmal kilometerlang Baustelle fahren angesagt. Und Regen.
Eine starke Stunde, einen Zwischenstopp am Supermarkt und circa zehn Kilometer vor St. Andrews hatte ich dann endlich das Gefühl, dass ich nicht nur Kreisel, sondern auch Baustelle fahren kann. Überdies funktionierten (da meine Mama dies wahrscheinlich frühstens in ein paar Tagen lesen wird, in ein paar Tagen Weihnachten ist und man da ja dann lieb zueinander ist, ergo, ich keinen Anschiss bekommen werde, kann ich das ja nun schreiben) essen, trinken und rauchen mittlerweile ebenfalls perfekt. Schottlands Straßen, macht euch bereit!

St. Andrews

Also, St. Andrews! Das kleine Städtchen hat wohl irgendwas um die 20.000 Einwohner und liegt im Osten Schottlands. Ich bin über die Bilder, die Google ausspuckt, darauf gekommen, diese Stadt zu besichtigen. Und ja, es lohnt sich. Die Stadt ist alt, verdammt alt (das werde ich in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch häufiger sagen), aber hat so ihren eigenen Charme.

Meine Top 5 von St. Andrews:
– das mittelalterliche City Center mit total witzigen und süßen Shops und Cafes
– die Ruine der Kathedrale mit ihrem Friedhof
– die Ruine der Burg
– die White Sands, die jedoch heute überhaupt nicht zum Abhängen am Strand einluden
– der Historical Harbour

Da ich nach St. Andrews noch etwas Zeit hatte, bis ich mein Airbnb beziehen konnte – Colin und Elspeth waren noch nicht von der Arbeit zurück – machte ich einen kurzen Abstecher nach Dundee. Aufgrund der Zeitumstellung war es jedoch bereits um 16 Uhr dunkel, dunkel, wirklich richtig dunkel. Aber den Blick vom Court Law herunter wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sicherlich wird er mich bei Tageslicht noch einmal sehen. Der Blick war wunderschön, wenngleich ich zugeben muss, dass die Kamera natürlich nur einen Bruchteil dieser wundervollen Nachtaufnahme wiedergeben kann.

Was bleibt am Ende eines ersten Tages nun noch zu sagen? Heute Abend ist noch ein klein wenig „arbeiten“ angesagt – ich möchte Reiseplanung machen, denn meine bisherige Planung beschränkte sich auf eine zwanzigminütige Auseinandersetzung mit den Sightseeing Hot Spots von St. Andrews während meinem Warten auf das Boarding, meine GoPro, die ich mir letzte Woche zugelegt, aber mangels Zeit bisher noch nicht einmal eingschaltet habe, will in Betrieb genommen werden und gleichzeitig befürchte ich jedoch, da ich bereits auf meinem Bett liege (es ist kalt, es ist bitterkalt und ja, ich habe Thermounterwäsche dabei – frau lernt ja! -, aber nicht an), dass ich nach dem langen Tag eher einschlafen als noch etwas Sinnvolles zustande bringen werde. Die letzten Nächte war ich ja nun auch nicht von sonderlich viel Schlaf beseelt, so dass mein ursprünglicher Plan für die ersten Tage in Schottland (schlafen, schlafen, schlafen) wahrscheinlich bereits heute in die Tat umgesetzt wird. Ein perfekter Ort dafür, denn Luthrie ist ein 20 Seelendorf, das circa 25 Minuten südlich von Dundee liegt. Es besteht aus einer Ortsstraße, für die man keine zwei Minuten Fahrtzeit benötigt und einem Dorfparkplatz, auf dem gerade mein Mietwagen geparkt ist. Über Luthrie gibt es sogar einen Wikipedia-Eintrag. Nein, ich korrigiere, der Eintrag gibt vor allem auch Informationen über den Fluss, der hier durchfließt. Der wissbegierige Leser lernt Folgendes: „Luthrie is a village in the parish of Creich in Fife, Scotland. A small stream shown on maps as Windygates Burn (but know locally as Luthrie Burn) flows through the village and occasionally floods.“ Aha! Hier gibt es also ab und zu mal Hochwasser! Abgesehen von den vier aufgelisteten Gebäuden, die es laut Wikipedia hier zu sehen gibt (Old Smiddy House, Lower Luthrie House, Old School House, Village Hall – habe ich bei meinem frühabendlichen sightseeing ‚hop on-stay on‘ durch Luthrie alle direkt begutachten können; drei Mal, weil ich das Airbnb nicht auf Anhieb finden konnte, da die Beschreibung „auf der Dorfstraße, weiße Fenster, Hecke vor dem Haus“ einerseits bei Nacht eher wenig sinnvoll formuliert ist, andererseits jedes zweite Haus eine Hecke und zumindest helle Fenster hat), gibt es hier ansonsten nichts – weder richtig schnelles Wlan noch einen stabilen Handyempfang. Nein, ich tue Luthrie Unrecht. Handyempfang gibt es. Nämlich genau dann, wenn ich das Handy entweder hoch halte und damit herumwedle (verspätete Gnade der Götter?!) oder zwei Meter neben mir auf die Kommode lege.

 


Reisestationen des Roadtrip durch Schottland:

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