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Wenn die Welt ruft...

Grenzübergang Jordanien – Israel (Allenby / King Hussein Bridge)

11.04.2017

(Ich wollte zunächst deutschen Boden unter meinen Füßen haben, bevor ich ihn poste, daher erscheint er erst jetzt.)

Dies wird ein langer Text – er dient nicht der Unterhaltung, sondern der Hilfestellung in Bezug auf einen Grenzübergang zwischen Jordanien und Israel.

Grenzübergänge Jordanien – Israel allgemein

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, über die Grenze nach Israel zu gelangen: einen nördlichen bei Bet Sche’an (Jordan River Border Crossing) einen mittleren über die King Hussein Bridge (oder auch Allenby Bridge) und den südlichen in Eilat.

Wenige aktuelle und aussagekräftige Informationen erhält man in Foren, auf Blogs oder vom Auswärtigen Amt, was einen Grenzübergang von Jordanien nach Israel angeht. Auch können sich die Gegebenheiten vor Ort immer wieder ändern. Und, abgesehen davon, ist der Grenzübergang, der wahrscheinlich am häufigsten von Touristen genutzt wird, der über Akaba/Eilat.

Grenzübergang von Jordanien nach Israel (Allenby / King Hussein Bridge)

Weil ich mir wegen des Visums unsicher war und die Information erhalten hatte, dass es nur in Allenby möglich sei, wieder ein Visum für eine Einreise in Jordanien zu erhalten – ich bin lediglich mit dem Jordan Pass am Flughafen Amman eingereist und besaß kein multiple entry Visa -, wollte ich es über Allenby versuchen, da mir schien, dass die Chancen dort besser stünden.

Daher möchte ich dir heute ausschließlich von meinem Grenzübergang über Allenby berichten. Einen sehr ausführlichen Blogpost zu den anderen beiden Übergängen findest du hier bei The Mad Traveler.

Die Nacht verbrachte ich am Toten Meer in einem Hotel. Ich hatte mich für das Sehatty Resort entschieden, ein Hotel für Locals. Grundsätzlich okay für eine Nacht, aber gerade von Freitag auf Samstag (die locals feiern freitags immer ihr Wochenende) nicht sonderlich empfehlenswert (Lautstärke!). An allen anderen Tagen sicherlich okay. Ansonsten gibt es auf dem Highway 65 aber zig andere Hotels und richtig gute Spas und Resorts. 40 Kilometer waren es vom Hotel zum Grenzübergang.

Um 8.30 Uhr parkte ich mein Auto auf einem dortigen Parkplatz. Die 15 JOD, die dort für drei Tage parken zu entrichten sind, sind sicherlich Touripreise, aber mir blieben nichts anderes übrig, denn das Auto mit nach Israel zu nehmen, war nicht erlaubt.

Parkplatz

Als Europäer nimmt man den zweiten Eingang zum Grenzübergang. Nach Passieren des Eingangs sieht man linker Hand zwei Gebäude – das erste ist für den VIP-Transport, das zweite für den public-Transport.

zum Departure Gebäude

Ich hatte mich für public entschieden. Insofern kann ich wenig bis gar nichts über den VIP-Transport sagen, außer dass der Bus, in welchem man die Grenze passiert, etwas größer ist. Schneller ging es mit diesem aber auch nicht – der Bus stand später neben dem Bus, in welchem ich saß.

Entscheidest du dich also für den public Transport, kommst du in ein großes Gebäude, in welchem du ein paar Schalter von hinten erkennen kannst. Drei Schalter sind wichtig: „Customs„, „Drop off“ und „Pick up„. Zunächst solltest du zum Customs-Schalter gehen und dort die Ausreise-Tax (10 JOD) bezahlen. Du erhältst ein kleines Zettelchen, das du in den Pass legst und stellst dich schließlich am „Drop off“ an. Beim Drop off solltest du dem immigration officer gegenüber kurz erwähnen, dass du keinen Stempel in den Pass möchtest. Daraufhin händigt dir der officer einen kleinen Zettel zum Ausfüllen aus – Name, Passnummer, Datum. Hast du den Zettel ausgefüllt und den Pass abgegeben, musst du dich am Pick up-Schalter anstellen. Auch wenn an diesem Schalter pick up steht, erhältst du deinen Pass nicht wieder zurück. Diesen erhält nämlich zunächst einmal der Busfahrer des Busses, mit welchem du später über die Grenze gebracht wirst. Danach verlässt du das Gebäude, lässt dich zu einem der blauen Busse führen. Du bezahlst dort 7 JOD für deine Busfahrt über die Grenze und 1,5 JOD für den Transport deines Gepäcks.

tax-Nachweis

Es ist mittlerweile 9.10 Uhr. Ich sitze im Bus und halte meinen Pass in Händen. Wie die das mit den Pässen koordinieren, ist mir völlig schleierhaft. Bei den ganzen Menschen, die sich dort befinden und auf die unterschiedlichsten Busse verteilt werden, wäre zu befürchten, dass das mit den Pässen ein einziges Chaos ist. Aber irgendwie steckt ein System dahinter, das ich bisher nicht durchdrungen habe und wahrscheinlich auch nie verstehen werde. Macht aber nichts. Der Pass in meinen Händen zählt. Und die machen das ja nicht zum ersten Mal.

Um 9.35 Uhr setzt sich der Bus in Gang und verlässt erst einmal das Areal. Die Fahrt dauert fünf Minuten. Dann kommt die erste Kontrolle. Das tax-Ticket wird gerissen und das Immigration Zettelchen, um das du zuvor gebeten hattest, entfernt.

Die Fahrt geht weiter. Noch ein check point. Es ist der Grenzübergang. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit an diesem check point, sind aber doch nur zwanzig Minuten. Dann geht es über die Brücke. Um 10:08 ist es geschafft. Der Bus ist in Israel. Man erhält sein Gepäck wieder, geht in das Gebäude – Gepäck check und erster Passport check stehen an. Auf den Pass wird ein kleiner gelber Sticker mit einer Nummer geklebt. Dann geht es weiter zur Einreise.

Man sollte darauf achten, wer alles vor einem in der Schlange steht. Die Philippinos brauchten ewig, standen Gott sei dank nicht vor mir in der Schlange. Dafür aber ein Jordanier, der nach zig Fragen, die ich nicht verstehen konnte, dann raus gezogen wurde und an der Seite Platz nehmen sollte.

Ich stellte mich gedanklich schon einmal auf Fangschussfragen ein. Geschehen ist nichts. Der nette Herr schaute meinen Pass an, grinste und fragte: „How are you, my dear?“ Da hatte wohl jemand richtig gute Laune.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Im Hostel in Jerusalem angekommen, lernte ich zwei deutsche Mädels kennen, die für die Einreise nach Israel über zwei Stunden befragt wurden. Unter anderem wurde ihnen die Frage gestellt, wie viel Geld sie auf ihrem Konto hätten (ich hätte nicht einmal auf die Schnelle sagen können, wie viele Konten ich überhaupt besitze). Sie berichteten ebenfalls von einem Bekannten, der aufgrund seines Türkei-Stempels befragt wurde, weil er nicht innerhalb kürzester Zeit die Frage beantworten konnte, wann er in der Türkei gewesen sei. Erst am Abend wurde mir klar, welch ein Glück ich hatte. Diverse Türkei-Stempel kann mein Pass ebenfalls aufweisen und zig andere, die dem Beamten beim Durchblättern meines Passes aufgefallen sein mussten, so beispielsweise auch ein marokkanischer Stempel (ein paar Tage später erfuhr ich von einem Marokkaner, dass er sechs Stunden an der Grenze sitzen gelassen worden sei, bevor er in die Befragung kam). Also, bereite dich zumindest gedanklich darauf vor, dass es länger dauern könnte – ich bereitete mich gedanklich schon auf die „Konto-Frage“ vor, aber – Achtung, Spoiler Alert – notwendig war diese Vorbereitung nicht.

In meinen Pass wurde eine kleine Karte gelegt, diese am Ausgang gescannt und schließlich war ich in Israel.

Weiterfahrt nach Jerusalem

Direkt am Ausgang fahren diverse Busse ab. Nicht jedoch die, wenn du nach Jerusalem möchtest. Hierzu musst du um das Gebäude herum.

Am Taxi-Stand gleich rechts gibt es Tickets für ein Taxi (41 NIS) und Minivans/Shuttlebusse nach Jerusalem. Bezahlen kann man in JOD – 10 JOD bezahlst du für das Ticket im Minivan inkl Gepäck. Das Minivan fährt direkt gegenüber ab – sobald es voll ist. Minivans erreichen die Haltestelle circa alle fünfzehn Minuten – ich nutzte die Zeit, um mir am Kiosk schnell einen Kaffee zu besorgen, musste diesen jedoch während der Fahrt trinken, ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sooo schnell gehen würde. Um 11.15 Uhr ging es also los. Eine Stunde später, um 12.15 Uhr: Endstation Jerusalem, Damaskus Gate.

Insgesamt eine Zeit, die sich sehen lassen kann: nur knapp vier Stunden von Abstellen des Autos bis Ankunft mitten in Jerusalem. Es hätte weitaus länger dauern können, wären mehr Touristen an der jordanischen Ausreise gewesen oder hätte meine Befragung länger als zehn Sekunden gedauert. 😉

Grenzübergang von Israel (Jerusalem) nach Jordanien (Allenby / King Hussein Bridge)

Taxistand und privater Transfer

Gegenüber des Hostels standen ein paar Taxis. Da ich Zeit hatte und mich bei einem guten Angebot natürlich gerne zum Shuttlebus hätte fahren lassen, wollte ich in Erfahrung bringen, was die Fahrt kosten würde. 50 NIS für weniger als 2 Kilometer (zum Vergleich: meine Taxifahrt vom  Shepherds‘ Field zur Bushaltestelle von 3 Kilometern kostete mich 15 NIS). Ich lehnte dankend ab, nicht aber ohne mich in ein kurzes Gespräch zur Fahrt an die Grenze verwickeln lassen. Spieltrieb an.

Die private Taxifahrt inklusive direkten Absetzens am Grenzgebäude (interessant, wo sonst sollte denn das Shuttle halten?! Auf der Autobahn?!) kostet 300 NIS. Da ich „so nice“ bin, bekam ich direkt das Angebot über 250 NIS (circa 65 EUR).

Ich musste kurz lachen und entgegnete nur: Yes, very nice price. Only for you and only today! Die Ironie ging irgendwie an dem Taxifahrer vorbei, denn er sagte: Yes, because you are friend. Und ich: Yeah, I guess, your friend prefers walking. Only today. Sprach’s und ging.

Fußweg zum Shuttlebus ab Jaffa Street

Keine zehn Minuten brauchte ich von Jaffa zum Shuttlebus – es geht fast durchgängig den Berg runter. Um zum Shuttlebus zu kommen, gehst du am besten auf der Straßenseite der Western Wall – hier ist nicht nur die Straße besser, du musst nicht mehrere Ampeln überqueren, sondern du kannst auch besser auf die andere Strasenseite schauen, um dich zu orientieren. Der Weg geht vorbei am Damaskus Gate, am Supermarket und an der Arab Bank. Du siehst eine grüne Schrift über einem Gebäude – Golden Wall Hotel. Hier befindet sich der Eingang zum Hinterhof.

Vorderansicht Hinterhof

Hinterhof

Um 8 Uhr erreichte ich den Ort, wurde herzlich begrüßt, bezahlte meine 42 NIS (circa 10 EUR) für den Transport und 5 NIS für das Gepäck. 8:17 Uhr ging es dann los. Exakt 40 Minuten später, um 8:57 Uhr, erreichte das Shuttle das Areal zum Grenzübergang.

Der Grenzübergang

Hier heißt es zunächst Anstehen mit allen anderen Bussen und Shuttles für einen ersten Pass-Check. Der Fahrer sammelt alle Pässe ein, gibt sie an der Kontrolle ab. Dauer des Wartens: 13 Minuten. Ein Officer steigt in das Shuttle ein, ruft die Namen der Passinhaber aus, überreicht die Pässe wieder.

Anmerkung: Ich bin froh, dass hier kaum etwas los ist. Der Bereich, der für das Warten der Fahrzeuge hier ausgelegt ist, ist riesig und ich kann mir vorstellen, dass man später mit weitaus längeren Wartezeiten zu rechnen hat.

Das Shuttle erreicht um 9.20 Uhr das Grenzgebäude. Als Tourist kann man den rechten Eingang benutzen (hier stand am Tag meiner Einreise kein Scanner!).

Du solltest zunächst den Schalter: Financial service / Passenger fee / change ansteuern und deine departure tax (April 2017: 179 NIS!!! Eilat ist weitaus günstiger! Allenby war aber auch schon einmal günstiger – mein letzter Stand waren 175 NIS) bezahlen. Dort kannst du auch deine restlichen Shekel in Dinar umtauschen.

Danach steuerst du den Schalter Passport Control an. Dort wird dein Einreisezettel entfernt und ein neuer Zettel eingelegt. Ich fragte die dort sitzende Beamtin, wo ich nun hingehen müsse – es sind unglaublich viele Passport Control-Schalter in dieser Halle und einige Schilder, die sich darüber befanden, konnte ich nicht verstehen, da sie nur auf Arabisch geschrieben waren. Die Dame schaute zunächst an mir vorbei – es stand niemand hinter mir – und sagte daraufhin: „Come!“ Ich war etwas verwundert, aber sie verließ tatsächlich ihren Platz, kam um den Schalter herum, führte mich zu einem weiteren Schalter mit einem Drehkreuz, an welchem ein arabisch aussehendes Ehepaar stand, übergab dem Beamten, der dort saß, meinen Pass, zeigte mir dann, dass ich durch die rechte hintere Tür nach draußen, um das Gebäude herum gehen solle, da dort die Busse stehen würden. Der Beamte warf einen Blick in meinen Pass, scannte ihn erneut, ließ mich durch das Drehkreuz und dann stand ich draußen. Einfacher kann es kaum laufen. Mit so einer Geschwindigkeit hatte ich nicht gerechnet.

Bist du also draußen, gehst du um das Gebäude herum und dann dem Gebäude entlang (oder je nachdem, wo du deinen Passport-Check gemacht hast) bis zur Departure Hall 16. Dort fahren die Touristenbusse in der ersten und zweiten Plattform alle 15 bis 20 Minuten ab. Keine Sorge, alle Security Beamten sprechen hier gutes Englisch und können dir notfalls behilflich sein. Als ich einstieg, war der Bus noch komplett leer. Zwei Mal versicherte ich mich, ob es der richtige Bus sei. 🙂

Es ist schließlich 9:40 Uhr und ich sitze im Bus (die Fahrt mit dem Grenzbus kostet 7 JOD zzgl. Gepäck – irgendwie hatten sie mich beim Abrechnen vergessen; ich hatte es aber auch verpeilt). Mein Gepäck ist verstaut, meinen Pass halte ich in meinen Händen. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Um 10.30 Uhr setzt sich der Bus in Bewegung. Mittlerweile sitzen hier auch ein paar Europäer. Ich bin ja froh, dass der Bus nicht wartete bis er voll war. Die Fahrt geht schließlich binnen weniger Minuten über den Jordan. 😉

An einem kleinen Kontrollpunkte, an den ich mich noch von vor drei Tagen erinnere, werden alle Pässe von einem jordanischen Grenzbeamten eingesammelt und die Fahrt geht weiter. Ich bin gespannt, was passieren wird, denn ich besitze kein multiple entry Visa. Weitere fünf Minuten später erreicht der Bus das jordanische Grenzgebäude. Ich habe keine Lust mehr auf diesen Bus. Die 50-minütige Warterei hat mich echt aggro gemacht. Ich weiß, Geduld ist eine Tugend und ich darf mich nicht beschweren, dass ich weder befragt wurde noch innerhalb dieser kurzen Zeit von Jerusalem hier her gekommen bin.

In der Ankunftshalle steuerst du gleich rechts den Schalter „Drop Off“ an. Es liegen dort überall arrival cards aus. Du füllst sie mit Name, Geburtsdatum und Ankunftsdatum aus. Das Feld mit deiner Passnummer kannst du offen lassen, denn deinen Pass erhältst du erst später zurück. Beim Drop Off wird die arrival card gestempelt und nebenan, beim „Pick Up„, werden dir schließlich Pass und arrival card ausgehändigt. Danach holst du dein Gepäck, zeigst beim Verlassen des Ankunftsbereiches noch einmal Pass und arrival card vor und that’s it.

Kurzer Hinweis: Wenn du das Gebäude verlässt, wirst du automatisch zum Fischfutter der dort wartenden Taxifahrer. Ich rate dir daher, den Autoschlüssel deines Leihwagens bereits im Gebäude auszupacken, ihn offensichtlich in Händen haltend das Gebäude zu verlassen. Ich empfand diese Minuten als sehr sehr nervig – und das obwohl ich meinen Blick stur zu Boden richtete, meinen Autoschlüssel sichtbar für die Taxifahrer in meinen Händen hielt und mich niemand wirklich direkt ansprach – diese Schar an Menschen war einfach überwältigend.

Fazit des Grenzübergangs

Sämtliche Befürchtungen, die ich zuvor hatte, beispielsweise, dass ich heillos überfordert sein könnte, dass ich doch einen Stempel in meinen Pass bekomme, dass ich nicht ein- oder ausreisen darf, waren völlig unbegründet. Ich bekam ganz viel Unterstützung von Locals und Grenzbeamten. Nichts in meinem Pass deutet daraufhin, dass dieser Grenzübergang überhaupt jemals stattgefunden hat – ist es am Ende vielleicht gar nicht passiert und ich habe mir das alles nur eingebildet?! 🙂

 

Welche Erfahrungen hast du an der Grenze gemacht? Ich hoffe, dass ich dir mit meinem Beitrag einen Einblick in den Grenzübergang verschaffen konnte. Gerne kannst du mich bei weiteren Fragen kontaktieren oder neue Informationen hinzufügen, indem du den Beitrag einfach kommentierst.

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