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Vom Sinn und Unsinn meiner Bucket List

Gibst du das Wort „Bucket List“ in Google ein, erscheinen innerhalb weniger Zehntelsekunden ungefähr 97.000.000 Beiträge. Angefangen bei „97 Dinge, die ich in meinem Leben machen möchte“, über „Die ultimative Bucket List – ich will leben, leben, leben!“, „Meine Bucketlist: 50 Dinge, die ich bis zu meinem 50. Geburtstag…“, „Bucketlist – Weil wir das Leben leben müssen“ bis hin zu Anleitungen, wie man überhaupt eine Bucket List schreibt, findest du hier alles.

 

Meine Bucket List

Ja, auch ich habe eine Bucket List. Eine Reise-Bucket List. Sie ist für jeden Besucher meines Blogs einsehbar. Man findet den Link zu meiner Bucket List direkt auf der Startseite. Aber seit einiger Zeit ist da nichts mehr hinzugekommen. Denn seit einiger Zeit stehe ich ihr eher skeptisch gegenüber. Als ich sie erstellte, diente sie mir als Überblick darüber, welche Länder ich gerne einmal sehen und was ich dort alles machen möchte.

Sonnenuntergang Golden Bay, Malta

 

Zahlreiche Dinge auf meiner Liste habe ich bereits abgehakt: ich war in Jerusalem und Bethlehem, habe den Sonnenuntergang an der Golden Bay auf Malta gesehen, bin mit dem Jeep durch Wadi Rum gebrettert, habe mit wilden Affen gespielt, bin die Road to Mandalay gefahren, habe eine Insel umlaufen und im Monsun getanzt.

Iguazu, Brasilien

 

Zahlreiche Dinge stehen noch auf dieser Liste, über deren möglichen Reisezeitraum ich bisher nicht einmal nachgedacht habe und von denen ich ganz sicher weiß, dass ich sie in den nächsten Jahren nicht sehen werde, weil es so viele Ferien überhaupt nicht geben kann. Durchaus, den Goldenen Tempel in Amritsar werde ich dieses Jahr noch bestaunen können und ganz sicher werde ich auch vor dem Taj Mahal chillen. Ganz sicher werde ich aber dieses Jahr nicht mehr über die Golden Gate Bridge fahren und ob ich die Möglichkeit haben werde, Kuba oder Peru im Dezember zu bereisen, steht auch noch in den Sternen.

Petra Jordanien

Petra, Jordanien

 

Reisen ist wie ein Einkauf im Supermarkt

Skeptisch bin ich nicht nur deswegen, weil ich weiß, dass ich wahrscheinlich nie alles, was aktuell auf dieser Liste steht, abhaken werde. Skeptisch bin ich auch deswegen, weil ich weiß, dass immer Neues hinzukommen würde, wenn ich sie weiterhin pflegen würde.

Maccarons Luxemburg

Maccarons in Luxemburg

 

Es ist wie mit einem Einkauf im Supermarkt. Du hast dir genau überlegt, was du in den nächsten Tagen alles essen möchtest, hast ganz akribisch einen Einkaufszettel geschrieben. Vielleicht möchtest du auch ein neues Rezept ausprobieren und hast nun alle Zutaten aufgelistet. Schließlich packst du deine Einkaufstasche und gehst in den Supermarkt, um deine Besorgungen zu machen. Du streifst durch die Regale, packst alles, was auf deiner Liste steht, in den Einkaufswagen. Du widerstehst der Verführung am Süßigkeiten-Regal und gehst stattdessen zielstrebig zum Obst. Obst steht auf deiner Einkaufsliste, die Schokolade nicht. Du widerstehst der Versuchung, die völlig überteuerten Blaubeeren einzupacken, obwohl du weißt, dass sie total lecker schmecken und nimmst stattdessen eine Honigmelone, weil die gerade im Angebot ist.

Schoki, Trier

 

Stück für Stück machst du all deine Besorgungen, bewegst dich zielstrebig zur Kasse und dort, allerspätestens dort, kannst du der Versuchung nun wirklich nicht mehr widerstehen und packst all die Raffaellos, Milka-Schokolade und Pickup-Kekse ein, die dort auf dich warten. Du hattest sie vorher zwar in den Regalen nicht wahrgenommen, weil du ja schnurstracks zum Obst gelaufen bist, aber jetzt, wo du sie direkt vor dir siehst, weißt du: Du musst sie einfach haben.

Reisen ist wie der Schoki-Kauf im Supermarkt an der Kasse: Im Laufe eines Einkaufs, allerspätestens am Ende eines solchen, realisierst du, welche leckeren Dinge da noch auf dich warten und was du unbedingt noch in deinen Einkaufswagen packen musst.

Highlands, Schottland

 

Eine Reise-Bucket List macht daher für mich gar keinen Sinn, denn es gibt zu viele Orte, die mir während einer Reise förmlich vor die Füße fallen und die meine Begeisterung für eine neue Reise wecken.

Ein Beispiel? – Als ich das erste Mal in Kairo war, besichtigte ich die Alabaster-Moschee und mein Guide erklärte mir, dass sie der Blauen Moschee in Istanbul entspräche. Welche nun tatsächlich zuerst da war, daran erinnere ich mich nicht mehr. Aber was ich wusste, war, dass ich unbedingt nach Istanbul reisen musste, um diese Moschee zu sehen…

Blaue Moschee

Blaue Moschee, Istanbul

 

Als ich dann in Istanbul war, begegnete ich in einer Unterkunft durch Zufall einem Mädel, mit dem ich mich unter anderem über ihre weitere Reiseroute austauschte. Sie erzählte mir von Kappadokien, Bodrum und Pamukkale und ich wusste – du kannst es dir schon denken – all das möchte ich unbedingt selbst mit meinen eigenen Augen sehen und erleben.  

Pamukkale, Türkei

 

Kaileigh Fryer    

Auch die Australierin Kaileigh Fryer besaß eine öffentliche, wenngleich auch private, Bucket List. 2014 starb sie im Alter von 19 Jahren während eines Autounfalls. Ihre Bucket List, die 50 Vorsätze enthalten sollte, enthielt zum Zeitpunkt ihres Todes 49 Punkte, unter anderem „Zu einem Blind Date gehen“ (Punkt 23), „Die Astralebene erleben“ (Punkt 28), „Draußen mit jemandem schlafen, den ich liebe“ (Punkt 34) oder „Jemanden inspirieren“ (Punkt 42). Die ins Leben gerufene Facebook-Seite „In loving memory of Kaileigh Fryer“ entwickelte wahnsinnig schnell eine Eigendynamik, denn Menschen aus der ganzen Welt begannen, Kaileighs Vorsätze für sie umzusetzen.

Und jeder, der wie ich den ein oder anderen Punkt von Kaileighs Liste schon hinter sich hatte, dachte sich: Das Allerschlimmste an einem frühen Tod ist es doch nicht, nie hinter einem Wasserfall gelaufen zu sein. Oder: Das Leben ist doch keine to do-Liste.

Kappadokien

 

Vom Unsinn meiner Bucket List

Nein, ich werde keine Bucket List führen. Ich werde mich in meinem Leben nicht irgendwelchen Listen zuwenden, die abzuarbeiten sind. Ich werde mich nicht Dingen hingeben, die ich durch eine Liste selbst von mir erwarte. Ich werde auch nicht wahllos Punkte auf meine Liste setzen, nur weil man dort und dort á la „1000 places to see before you die“ gewesen sein sollte, bevor man den Löffel abgibt. Sicher, ich werde mich inspirieren lassen. Aber ganz sicher nicht gängeln. 

Tanah Lot, Bali

 

Und vor allem, was passiert denn, wenn ich meine eigene Bucket List nicht schaffe? Werde ich dann auf immer und ewig unglücklich sein? Ist das vollständige Abhaken meiner Bucket List denn mein Weg ins Paradies? Wird mich der bärtige alte Mann dort oben nach meinem Ableben vielleicht nicht mehr nach meinen guten Taten und meinen Sünden und all dem Kram fragen, sondern danach wie viele Punkte ich tatsächlich auf meiner Liste abgehakt habe?

Wird er mich entsetzt anschauen, wenn ich nur 62 Prozent meiner Liste geschafft habe und dann sagen: „Sorry, Darling, aber mit 62 Prozent bist du echt durchgefallen. Das Minimum wären 65 Prozent gewesen!“ Und was wird er dann tun? Mich, schwuppdiwupp, ans andere Ende schicken?

Akropolis

 

Werde ich mich dort dann inmitten von langweiligen Familienvätern wiederfinden, die zwar eine ganz wunderprächtig gepflasterte Hofeinfahrt und einen polierten und gewachsten BMW vor ihrer viel zu großen Garage stehen haben, aber jedoch noch nie vom Empire State Building heruntergespuckt, ein rotes Tuch vor einem aggressiven Stier geschwungen und noch nie einen Vulkan bestiegen haben.

Was macht der Deiwel denn mit denen den lieben, langen Tag? Rezepte austauschen? Sich Putztipps holen? Und was steht eigentlich auf des Deiwels Bucket List?

 

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3 Kommentare auf "Vom Sinn und Unsinn meiner Bucket List"

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Mogroach
Gast

Also du teilst den selben Albtraum wie Silvi mit den gepflasterten Bmw-Ehemännern…
Jetzt hat sie mich, ob das besser ist wird sich rausstellen.
Ich habe keine Bucketlist und Silvi meint ich sei der Teufel! 🙂

Liebe Grüße Chris von Mogroach

Katarzyna Oberdorf
Gast
Eine Bucket-List ist, entgegen den landläufigen Meinungen, doch nicht dazu da, um sie sklavisch abarbeiten zu müssen! Es ist doch schön, eine Bucket-List zu haben und es ist doch schön, immer neue Punkte hinzuzufügen. Und natürlich (zumindest ist es bei mir so…) landet man am Schluss ganz woanders, als man eigentlich wollte, weil man der Schokolade nicht widerstehen konnte… 😉 An Bucket-Listen (oder Löffel-Listen, wie ich sie gerne nenne) ist nichts Schlimmes und ich sehe sie nicht als „zum-Abarbeiten“-Listen an. Im Gegenteil, sie dienen mir zur Inspiration, sie enthalten seltene Orte oder außergewöhnliche Events, die mir, wenn ich gerade überlege, wohin die Reise denn nun gehen könnte, so aus dem Stegreif nicht wieder eingefallen wären. Ich mag auch keine Artikel oder Empfehlungen a la: „Zehn Dinge, die du in… (—- hier bitte Destination Deiner Wahl einfügen… 😉 ) gesehen/getan/gegessen haben musst. Ersetze das „must see“ in ein „can see if I have Bock dazu“ und versöhne Dich mit dem Gedanken, dass Du Deine Liste, so wie sie dasteht, eh nicht wirst abarbeiten können (das war jetzt miese Grammatik, sorry… 🙂 ) und schon macht die Liste wieder ihren Sinn… Für mich sind solche Listen Stützen, Traumwiesen, anwachsende Gebilde… aber keine… Read more »
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