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Rata-tata-touille – der Rattentempel in Bikaner

Die Stadt Bikaner

Bikaner liegt etwa 450 Kilometer westlich von Delhi mitten in der Wüste von Rajasthan. Einzig die lange Stadtmauer trennen Stadt und Wüste voneinander. Von hier aus lassen sich perfekt Kamelsafaris unternehmen. Abgesehen davon bietet Bikaner eine kleine Altstadt mit vielen kleinen aber auch ziemlich dunklen Gassen, eine Burg, einen Palast und, fährt man die circa 30 Kilometer südlich aus der Stadt hinaus, gelangt man zum Karni Marta-Tempel. Zusammen mit Jaisalmer und Jodhpur befindet sich Bikaner sozusagen in einem Wüsten-Dreieck.

Der Lalgarh Palast

Auf den Besuch des Palastes verzichte ich während meines verbleibenden Tages in Bikaner. Vielmehr will ich lieber die Burg und den Rattentempel besuchen. Abgesehen davon habe ich mir eine Unterkunft mit Blick auf den Lalgarh Palace ausgesucht. Ein Besuch lohnt sich sicher, denn nicht nur soll der Palast sehr prunkvoll sein, auch soll der große grüne Garten ganz einladend und vor allem kaum frequentiert sein, weil sich sämtliche Menschen im Stadtzentrum tummeln.

Palace Bikaner

Das Janagarh Fort

Die Anlage der Burg (Eintritt: 300 Rupie) ist riesig und besteht aus unterschiedlichen kleineren Palästen, Tempeln und Pavillons. Unterschiedliche Architekturstile sind hier angewendet worden, von welchen ich nicht den Hauch einer Ahnung habe – aber es ist so offensichtlich, dass auch ich das realisiere.

Schade ist jedoch, dass man praktisch nur den Innenhof und ein paar daran angrenzende Pavillons begutachten kann. Der Großteil der Zimmer in der Burg ist nicht für Besichtigungen zugänglich.

Bikaner Fort, Bikaner

Ganz interessant ist der Grund für die Entstehung dieser Burg: Rao Bika nämlich, der die Stadt Bikaner gegründet hatte, war blöderweise halt nur der zweite Sohn des Maharadschas Jodha, welcher wiederum der Gründer der Stadt Jodhpur war. Da Bika als zweiter Sohn nicht wirklich eine Chance auf das Erbe Jodhpurs oder den Maharadscha-Titel seines Vaters hatte, musste Söhnchen selbst Hand anlegen und für sich selbst morgen. Und das tat er, indem er beschloss, sein eigenes Königreich zu bauen.

 

Karni Mata – der Rattentempel

Etwa 30 Kilometer südlich von Bikaner im Dorf Deshnok liegt der Rattentempel Karni Mata. Jetzt wird’s etwas gestört und für manche vielleicht auch etwas ekelhaft. Daher steige ich sozusagen häppchenweise ein – ein Tierchen nach dem anderen. 😉

Die Legende von Karni Mata

Der ursprünglichen Legende nach soll Karni Mata ein totes Kind gebracht worden sein, welches sie zum Leben erwecken sollte. Also dröhnte sich Karni Mata mit irgendwelchem Kraut zu – du kennst das ja schon von Griechenland – und sprach mit dem Totengott, um über die Herausgabe der Seele des Kindes zu verhandeln. Da aber nach Aussage des Totengottes das Kind mittlerweile als Ratte wiedergeboren war, war das mit der Rückgabe der Seele nicht mehr möglich. Als Mata dies realisierte, schwor sie, dass keiner ihrer Anhänger jemals mehr in das Totenreich kommen würde, sondern von fortan die Verstorbenen als Ratten wiedergeboren würden. Haben die verstorbenen Seelen schließlich ihr Leben als Ratte hinter sich gebracht, würden sie auferstehen. So weit, so gut. Karni Mata muss einige Anhänger haben, denn…

Der Tempel

…Schätzungen zufolge sollen sich in diesem Tempel über 20.000 Ratten befinden. Sie zu zählen ist ein völlig sinnloses Unterfangen, da die kleinen Tierchen ja nicht unbedingt stillsitzen und sich zählen lassen, sondern wild umher rennen. Mit Menschen haben sie wenig bis gar keine Berührungsängste.

Was durchaus verständlich ist bei der Menge an Hindus, die tagtäglich den Tempel besuchen und zusammen mit den Ratten vor der Statue Karni Matas ihr Essen verspeisen. Du hast richtig gelesen: Zusammen — mit — den — Ratten – ihr — Essen — verspeisen. Ihre Spenden – Nüsse, Obst, Milch, Wasser etc. – legen die Hindus in die Gabenteller, lassen die Ratten zuerst fressen und trinken und essen und trinken dann selbst davon.

Übrigens, wenn dir im Tempel eine Ratte über die Füße läuft, bedeutet das Glück. Sollte dem tatsächlich so sein, habe ich meinen Glücksvorrat für die kommenden Jahre an diesem Tag ordentlich auf Vordermann gebracht. Und da Glück im Leben ja völlig ausreicht, um ein erfülltes Leben führen zu können,… – hell yeah!

Eine ganz besondere Ehre soll es sein, wenn du in der Lage bist, mit einer der seltenen weißen Ratten Kontakt aufzunehmen. Aus diesem Grund sitzen manche Hindus teilweise auch stundenlang vor Mauerritzen und versuchen durch Futtergaben die weißen Ratten anzulocken. Keine Sorge, ich habe dieses Mal darauf verzichtet, mich auf den dreckigen Boden zu setzen, ins Leere zu starren und geduldig darauf zu warten, dass vielleicht zufällig irgendetwas vor mir erscheint…

Du willst nun sicherlich wissen, wie ekelhaft das ist, oder?

Ganz ehrlich, ich habe weder ein Problem mit Kakerlaken, noch mit Mäusen oder Ratten. Kakerlaken begegnest du in den unterschiedlichsten Größen immer wieder in den unterschiedlichsten Ländern. An Mäusen hatte ich in der Vergangenheit immer mal wieder meine helle Freude. Du erinnerst dich sicherlich an die Geschichte, als mir mein geliebter Kater Othello eines Abends eine Maus nach Hause brachte, ich lediglich die Schlafzimmertür schloss, damit die beiden dann sozusagen in Ruhe im Wohnzimmer spielen können. Wenige Minuten später knackte es hinter meinem Rücken und Kopf, Schwanz und Milz der Maus lagen in meinem Lieblings-Ballerina. Nein, mit Mäusen habe ich wahrlich keine Probleme – und auch die Schuhe trage ich nach wie vor.

Insofern ist mein persönliches Ekellevel mit Ratten auch nicht sonderlich hoch. Natürlich bin ich mir um deren gesundheitliches Gefährdungspotenzial bewusst, aber ich setze mich ja nicht hin und knutsche sie wie die Prinzessin den Frosch. 😉

Was ich aber als tatsächlich ekelhaft empfand, war – nein, auch nicht der Ammoniakgeruch im Tempel (ehrlich, ich hatte mit schlimmerem gerechnet, aber vielleicht sind meine Sinne nach Delhi auch bereits abgestumpft) – die viele Rattenscheiße auf dem Boden. Wie du weißt, muss man in einem Tempel die Schuhe ausziehen. Da bildet auch ein Rattentempel keine Ausnahme.

Selbst wenn Touris gestattet wird, ihre Socken während des Besuchs anzubehalten, naja, aber äähm, du erinnerst dich: Ich habe lediglich Flip Flops im Gepäck und trage tagsüber weder Socken noch habe ich welche in meinem Handtäschchen dabei. Bei der Anzahl an Ratten kannst du dir also sicher vorstellen, wie viel Rattenkot auf dem Boden verteilt ist. Es wird zwar ständig durchgefegt und du kannst natürlich versuchen, dir slalomartig deinen Weg zu bahnen – du wirst dennoch ganz sicher nicht diesem Tempel sauber entsteigen.

 

Fun Fact zum Abschluss:

Trotz des ganzen für europäische Augen sicherlich überaus befremdlichen Vorgehens von dem gemeinsamen Mahl mit den Ratten ist es bis heute noch zu keiner Epidemie gekommen. Der Grund dafür liegt bestimmt an dem vielen Glück, das dir hier wortwörtlich auf und vor die Füße fällt und den Göttern, die ihre Finger im Spiel haben. *ironieoff*

 

Und wenn du nun noch nicht genug von den possierlichen Tierchen hast, habe ich hier noch ein Video für dich. Film ab für das rat race im Rattentempel – Teil 2. 🙂

 


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6 Kommentare auf "Rata-tata-touille – der Rattentempel in Bikaner"

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Mama
Gast

Oh mein Gott. 🙈Nee..
Noch nicht mal mit Stiefeln 👢würde ich da rein gehen. Aber Du…war ja klar. Du lässt nix aus.😂😂😂

Mama
Gast

Dein Thello wäre total aus dem Häuschen gewesen bei den vielen Spielgefährten…🐭🐱

Jacqui I Weltgefuehle
Gast

Haha, sehr geiler Artikel! In den Rattentempel geht’s naechstes Jahr, wenn ich endlich wieder nach Indien kann <3 Finde ich super interessant. Das Bild mit den betenden Maennern fand ich besonders schoen… Hach, ich vermisse diese voellig andere Kultur! Und wieder mal typisch, dass die auch die Rattenkacke nicht wegmachen. Warum auch. Bleibt so gut am Fuss haften, haha… Bist du sehr oft reingetreten oder ging es? Liebe Gruesse, Jacqui

Florian
Gast

Der Rattentempel ist quasi mein Anti-Sehnsuchtsort. Seit mehr als 5 Jahren schon will ich da NICHT hin 😉

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