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Blau, goldfarben, weiß?! – Heute wird’s pink: Jaipur, India’s Pink City

Der Sikh-Tempel in Pushkar

Bevor ich am Morgen nach Jaipur aufbreche, mache ich einen kurzen Halt am Sikh-Tempel. Er liegt zwar ganz in der Nähe meiner Unterkunft, aber an meinem vorherigen Tag in Pushkar hatte ich es zeitlich nicht mehr geschafft, diesen zu besuchen.

Im Tempel nehme ich auch mein Frühstück ein. Du erinnerst dich, in meinem Artikel über Delhi hatte ich dir davon erzählt, dass es in allen Sikh-Tempeln Küchen gibt, in denen für die Besucher des Tempels mehrmals am Tag Mahlzeiten zubereitet werden.

Gehst du um den Tempel herum, findest du den Zugang zu einer großen Halle. Dort findest du zunächst Teller und Besteck und, etwas weiter vorne, ausgelegte kleine Teppiche. Kurz nachdem du auf diesen Platz genommen hast, kommt ein Sikh, der gerade im Tempel zugegen ist und kredenzt dir das heutige Tagesmenü.

An diesem Vormittag gibt es eine überraschend gut gewürzte Linsensuppe, Kichererbsen und Chapati. Nachschlag gäbe es ebenfalls. Da ich mir aber durchaus bewusst bin, dass ich für mein Essen selbst aufkommen könnte, verzichte ich darauf, gehe stattdessen mein Geschirr abwaschen und verlasse den Tempel und mit ihm auch Pushkar.

Auf in die „Pink City“

Drei Stunden trennen mich von Jaipur, wo ich zwei Nächte verbringen werde. Ich freue mich darauf, vor allem deswegen weil ich nun einmal wieder längere Zeit an einem Ort verbringen werde und weil ich – es ist nun fast Halbzeit meiner Reise – ein laundry machen sollte. Auf Dauer meine wenigen Kleidungsstücke, die ich im Gepäck habe, per Hand zu waschen, ist zwar ein durchaus witziges Ritual – erst dusche ich in Klamotten, dann mich selbst – aber ab und an sollte doch eine richtige Reinigung her.

Jaipur

Jaipur, die Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan, ist riesig. Davon zeugt nicht nur die Einwohnerzahl von mittlerweile über vier Millionen (laut Wikivoyage), sondern auch der Verkehr in der Stadt (laut mir). Kaum kommst du in die Nähe der Stadt, stehst du nämlich erst einmal im Stau und das Gehupe ist plötzlich wieder überall.

Grundsätzlich lässt sich Jaipur in drei Teile einteilen. Es gibt zwei ältere Stadtteile, nämlich Pink City – hier findest du beispielsweise den Stadtpalast, Jantar Mantar (das Observatorium) und Hawa Mahal, den Palast der Winde – und Amber City – hier findest du die wichtigsten Forts, nämlich die Amber Fort, Jaigarh Fort und Nahargarh Fort und Jal Mahal, den Wasserpalast.

Der dritte Stadtteil ist New Jaipur mit Einkaufsstraßen und Läden, die für Normalsterbliche und den durchschnittlichen Inder völlig unbezahlbar sind.

Am östlichen Ausgang der Stadt findest du den Monkey Mountain. Natürlich gibt es zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten und noch ganz ganz viele durchaus sehenswerte Tempel, wie beispielsweise den Lakshmi Narayan Temple, der vor allem aufgrund seiner Lage und des weißen Marmors, der darin verbaut wurde, einen Besuch wert ist. Da ich aber noch von meinem Ratten-Glück zehre, entscheide ich mich gegen einen Besuch dieses Tempels.

Überhaupt bin ich der Ansicht, nicht notwendigerweise alle Forts in Jaipur gesehen haben zu müssen, so dass ich lediglich die Amber Fort mit in die engere Auswahl genommen habe.

Mein Reich für 2 Nächte

 

Da ich aufgrund des Verkehrs relativ viel Zeit auf der Straße benötige und auch etwas müde bin, entscheide ich mich, den verbleibenden Tag mit einem abgespeckten Touri-Programm zu verbringen. Auf dem Plan stehen nur der Stadtpalast und der Wasserpalast.

 

Die pinke Stadt

Auf dem Weg zum Stadtpalast durchquere ich die Pink City. Die Häuser sehen ganz witzig aus, aber von wirklichem Pink kann kaum die Rede sein. Vielmehr ist es ein dunkleres Orange, ein Terrakotta-Pink, mit welchem die Häuserfronten angestrichen worden sind.

So, und wer kam nun auf die völlig sinnfreie Idee, einen ganzen Stadtbezirk pink anzustreichen? – Kein geringerer als der Maharadscha Sawai Ram Singh. Und nein, der hatte weder irgendwie einen komischen Farbgeschmack noch steckte (zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht) eine Frau dahinter, dass er seinen Bewohnern anordnete, die komplette Stadt pink anzumalen.

Albert war schuld daran. Prinz Albert. Diesen nämlich wollte der Maharadscha auf seiner Indien-Reise im Jahr 1876 beeindrucken. Albert war also derjenige mit dem komischen Farbgeschmack. Um sichergehen zu können, dass der Prinz Jaipur auf seiner Reise auch tatsächlich besuchte, ließ der Maharadscha daher die Albert Hall errichten und die Stadt anmalen.

Ob das Beeindrucken funktioniert hat, weiß ich nicht. Fakt ist, der Prinz kam tatsächlich und die Farbe blieb auch nach seiner Abreise, denn – jetzt kommt die Frau ins Spiel – die Lieblingsfrau des Maharadschas liebte die Farbe und er wiederum sie so sehr, dass er 1877 ein Gesetz erließ, dass es illegal machte, für Häuserfassen eine andere Farbe als Jaipur Pink zu verwenden. Was für ein Liebesbeweis! 😉

Der Stadtpalast

Das Gelände des Stadtpalastes ist riesig. Mehrere Gebäude stehen auf dem ganzen Areal. Museen mit Bildmaterial, ehemalige Audienzsäle mit anschaulich dargestellter Bestuhlung und zahlreichen Miniaturmalereien, Zimmer mit Kleidungsstücken und Waffen oder Plätze, auf denen die vergangenen Kutschen zu bewundern sind – all das findest du hier.

Auch zwei riesen große Silbergefäße, die exemplarisch den vergangenen Lebensstil dokumentieren sollen: Gefüllt waren sie mit heiligem Wasser aus dem Ganges und begleiteten ihre Besitzer auf ihren Reisen. Schleppen hätte ich das nicht wollen. Und über Sinn und Unsinn lässt sich auch hier sicherlich streiten.

Jal Mahal – der Wasserpalast

Das Besondere am Wasserpalast ist, wie sein Name schon schließen lässt, die Tatsache, dass er im Wasser steht. 😉

Und warum baut jetzt ein Maharadscha so ein Ding in einen See? – Ganz einfach, wieder wegen der Frauen! Denn: Die größte Verwundbarkeit, die ein Maharadscha hatte, waren seine Frauen. Um diese vor seinen Feinden schützen zu können, baute er kurzerhand einen Palast für sie in das Wasser.

Zugänglich ist er auch heutzutage nicht. Aber vom Ufer aus kannst du das riesen Ding bestaunen.

Während ich am Ufer entlanglaufe, entdecke ich ein Loch im Zaun. Da passt doch direkt eine kleine Blondine durch. Von einer Frau, die an der Uferpromenade sitzt, erhalte ich für 5 Rupees eine Schale voll Fischfutter. Ich schäle mich durch das Loch im Zaun…

…und gehe Fische füttern. 😉

Die Uferpromenade hat es mir ein bisschen angetan, so dass ich beschließe, mich für einige Zeit auf die Mauer zu setzen (Humpty Dumpty sat on the wall und so…) und dem Treiben zu folgen.

Es ist Samstag. Zahlreiche indische Familien sind unterwegs. Sie kommen hier her, um ihre Kinder mit kleinen elektrischen Fahrzeugen fahren zu lassen, einen Tee zu trinken, Eis zu essen oder andere Leckereien zu sich zu nehmen.

Auch ich kann schließlich nicht länger den Kokosnüssen widerstehen. Und ehe ich mich versehe, entsteht aus einem harmlosen Kokosnuss-Kauf ein Fotoshooting…

…und daran anschließend eines mit einer indischen Familie.

Und weil eine Kokosnuss nicht satt macht, gibt es spicy Kichererbsen-Brei direkt hinterher. 😉

Jaipur

Da ich mittlerweile doch ein wenig erschlagen bin, kehre ich zurück zu meiner Unterkunft, nicht jedoch ohne vorab auf dem Markt noch ein wenig Abendessen oder Frühstück einzukaufen.

Und warum mein zweiter Tag in Jaipur so ganz anders verlief als ich ursprünglich dachte, erzähle ich dir in diesem Beitrag.

 


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